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Besiedler
Besiedler

Wer nistet in Steilwänden (Auswahl)

Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes)

Die Frühlings-Pelzbiene gehört zu den auffälligsten Wildbienen des Frühjahrs. Mit ihrer dichten Behaarung und ihrer rundlichen Gestalt erinnert sie an eine Arbeiterin der Ackerhummel. Im Gegensatz zu Hummeln fliegt sie jedoch deutlich schneller und kann sogar auf der Stelle in der Luft schweben.
Frühlings-Pelzbienen treten in mehreren Farbformen auf. Das obere Foto zeigt die häufigere braune Variante. Auf dem zweiten Foto ist die deutlich seltenere dunkle Farbform zu sehen, bei der nahezu der gesamte Körper schwarz behaart ist. Lediglich die rostrote Schienenbürste der Weibchen bildet einen auffälligen Kontrast. Die Männchen lassen sich anhand ihrer hellgelben Gesichtsmaske (drittes Foto) leicht von den Weibchen unterscheiden.

Größe: 13–15 mm

Flugzeit: Mitte März bis Ende Mai

Nestbau:
Auf dem Foto hat ein Weibchen bereits eine der Anlockbohrungen als Ausgangspunkt für seine Brutröhre genutzt. Von dort aus wurden die Brutzellen im Steilwandsubstrat angelegt. Jede Brutzelle wird mit einem Gemisch aus Lehm und Speichel ausgekleidet und anschließend mit Pollen und Nektar als Nahrung für die Larve versorgt.
Unter dem Nesteingang ist die Schutthalde aus dem herausgenagten Substrat gut zu erkennen. Da die Frühlings-Pelzbiene den Lehm beim Graben mit Speichel anfeuchtet, besteht der Aushub aus charakteristischen, zusammengeklebten Erdklümpchen. Der etwas zurückgesetzte Nestverschluss wird aus dem Material der Steilwand gefertigt und anschließend mit einem Sekret überzogen, wodurch er silbrig-weiß erscheint. Oberhalb der rechten Bohrung wartet bereits eine Frühlings-Trauerbiene darauf, ihre Eier in eines der Nester zu schmuggeln.

Nahrung:
Die Art sammelt Pollen an vielen verschiedenen Frühblühern, beispielsweise Lungenkraut, Taubnesseln, Günsel, oder Obstgehölzen.

 

Frühlings-Trauerbiene (Melecta albifrons)

Die Frühlings-Trauerbiene baut keine eigenen Nester. Sie gehört zu den sogenannten Kuckucksbienen und nutzt die Nester der Frühlings-Pelzbiene.

Größe: 12–14 mm

Flugzeit: April bis Ende Mai

Fortpflanzung:
Das Weibchen legt seine Eier heimlich in die Brutzellen der Frühlings-Pelzbiene. Die Larve tötet nach dem Schlupf die Larve ihres Wirtes und ernährt sich anschließend vom Pollenvorrat.

Nahrung:
Die erwachsenen Tiere besuchen zahlreiche Frühblüher zur Nektaraufnahme.

Besonderheiten:
Frühlings-Trauerbienen können einen erheblichen Teil der Brutzellen der Frühlings-Pelzbiene parasitieren. Dadurch können sie den Bruterfolg der Pelzbienen lokal deutlich verringern. Da sie jedoch vollständig auf ihren Wirt angewiesen sind, können sie ohne ihn selbst nicht überleben.

 

Vierfleck-Pelzbiene (Anthophora quadrimaculata)

Die Vierfleck-Pelzbiene ist deutlich seltener als die Frühlings-Pelzbiene und fliegt erst im Sommer. Auffällig sind die olivgrünen Komplexaugen mit ihren charakteristischen dunklen Flecken, die sowohl die Weibchen als auch die Männchen besitzen.

Größe: 10–12 mm

Flugzeit: Juni bis August

Nahrung:
Die Vierfleck-Pelzbiene sammelt Pollen an verschiedenen Pflanzenarten. Besonders attraktiv sind jedoch Katzenminze, Heilziest, Schwarznessel, Hauhechel und Natternkopf. Mit diesen Pflanzen lässt sich die Art im Garten gezielt fördern.

Besonderheiten:
In vielen Regionen Deutschlands ist die Art selten geworden weil geeignete Lehmwände fehlen.

 

Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus)

Die Buckel-Seidenbiene zählt zu den häufigsten Wildbienen an künstlichen Steilwänden.

Größe: 8–10 mm

Flugzeit: Juni bis September

Nestbau:
Auf dem Foto haben drei Buckel-Seidenbienen die Anlockbohrungen als Ausgangspunkt für ihre Brutröhren genutzt. Charakteristisch für die Gattung ist die Auskleidung der Brutzellen mit einem dünnen, glänzenden und wasserfesten Sekret. Diese seidige Membran gab den Seidenbienen ihren deutschen Namen. Die beim Graben mit den Mandibeln entstehenden Schutthalden unterscheiden sich deutlich von denen der Frühlings-Pelzbiene. Während diese den Lehm beim Graben anfeuchtet und dadurch gröbere, verklumpte Erdklümpchen auswirft, besteht der Aushub der Buckel-Seidenbiene aus sehr feinem, lockerem Material. Offenbar wird das Substrat beim Graben nicht angefeuchtet. Dadurch wirken die Schutthalden fast wie feiner Sand und lassen sich gut von denen der Frühlings-Pelzbiene unterscheiden.

Nahrung:
Die Art sammelt ausschließlich Pollen von Korbblütlern wie Rainfarn, Schafgarbe oder Kamille.

Besonderheiten:
An günstigen Standorten können Hunderte oder sogar Tausende Nester dicht nebeneinander entstehen. Trotz dieser großen Ansammlungen ist die Art ausgesprochen friedlich.

 

Schornsteinwespe (Odynerus spinipes)

Die Schornsteinwespe gehört zu den solitären Faltenwespen und ist ein regelmäßiger Bewohner natürlicher und künstlicher Lehmwände.

Größe: 9,5–13 mm

Flugzeit: Mai bis Ende Juli

Nestbau:
Das Weibchen gräbt eine Brutröhre in die Steilwand, indem es den Lehm mit herantransportiertem Wasser anfeuchtet und anschließend mit den Mandibeln abschabt. Aus dem dabei anfallenden Material errichtet es die charakteristische, wasserhahnförmige Eingangsröhre – den namensgebenden „Schornstein“. Welche Funktion dieser erfüllt, ist nicht abschließend geklärt. Vermutlich erleichtert er der Wespe das morgendliche Aufwärmen und erschwert zugleich Parasiten den Zugang zum Nest.

Nahrung:
Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Blütennektar.

Brutversorgung:
Als Nahrung für ihre Larven trägt das Weibchen zahlreiche Rüsselkäferlarven in jede Brutzelle ein.

Besonderheiten:
Die charakteristischen Schornsteine sind meist nur vorübergehend zu sehen. Nach Abschluss des Nestbaus baut das Weibchen sie häufig wieder ab und verwendet das Material zum Verschließen der Brutröhre. Viele Schornsteine werden zudem durch Regen zerstört. Deshalb lässt sich die Schornsteinwespe anhand ihrer Nester meist nur während der Nestbauzeit sicher nachweisen.